Verkörperte Erleuchtung – Amoda Maa
Dein Erwachen in jedem Moment leben
(Original: Embodied Enlightenment – Living your Awakening every moment)
Amoda Maa
ist eine zeitgenössische spirituelle Lehrerin, die für ihre Lehren über nichtduales Bewusstsein und die innere Transformation bekannt ist. Sie begleitet Menschen dabei, ihre wahre Natur zu erkennen – ein ununterbrochenes Gewahrsein und einen tiefen inneren Frieden, der im gewöhnlichen Alltag gegenwärtig ist. Ihre Lehre ist frei von religiösen Dogmen und lädt dazu ein, die Wahrheit des Seins unmittelbar zu erfahren und sich für die Weite und Offenheit des eigenen Seins zu öffnen.
Quelle: KI
Einführung
Der Titel des Buches mit dem Begriff „Erleuchtung“ mag zunächst etwas abgehoben erscheinen – insbesondere, wenn man damit Menschen verbindet, die man als „erleuchtet“ betrachtet und ihnen dadurch einen besonderen, geradezu außergewöhnlichen Status zuschreibt. Die Vorstellung, Erleuchtung sei etwas, das nur wenigen Menschen vorbehalten ist und das ein „normaler“ Mensch nicht erreichen kann, gehört jedoch der Vergangenheit an.
Im Verständnis einer Spiritualität, die unserer Zeit entspricht, kann man im Grunde gar nicht „erleuchtet werden“, weil wir es von Natur aus bereits sind. Es sind vielmehr unsere Erziehung und unsere Kultur, einschließlich der institutionellen Religionen, die diese ursprüngliche Klarheit mit Schleiern überdecken. Das führt zu einem Bild von etwas, was wir aufgrund der Einflüsse der äußeren Welt zu sein glauben, was jedoch nicht unserer eigentlichen Natur entspricht.
So leben wir überwiegend wie in einem Traum. Deshalb bedarf es eines „Erwachens“: eines Erwachens aus diesem Traum und einer Rückkehr zu der Erkenntnis, was wir wirklich sind. Dieses Erwachen wird traditionell als Erleuchtung bezeichnet. Es ist vergleichbar mit dem Erwachen aus der Dunkelheit der Nacht in das Licht und die Wachheit des Tages.
Wie man als „erwachter“ Mensch in diesem Zustand weiterhin ein ganz normales Leben führen kann, ohne sich von der Welt und den anderen Menschen abzuheben, das zu vermitteln ist ein zentrales Anliegen dieses Buches. Der Untertitel gibt darauf bereits einen Hinweis: „Dein Erwachen in jedem Augenblick leben“.
Das Erwachen darf nicht als einmaliges Erlebnis verstanden werden. Es geht vielmehr darum, sich immer wieder neu ernsthaft zu bemühen, in jedem Augenblick des Lebens wach und bewusst zu bleiben. Die Betonung liegt dabei auf dem Bemühen – nicht auf der Perfektion.
Die Folge dieses Erwachens ist, dass in uns selbst ein Bewusstseinswechsel stattfindet. Wir „erwachen“ aus dem kollektiven Ego-Bewusstsein in das Bewusstsein unserer Seele, unseres wahren Selbst.
Amoda Maa hat diese innere Transformation bewusst durchlebt.
Das Buch besteht aus 3 Teilen:
- Teil: Ein neues Bewusstsein und eine neue Welt.
- Teil: Ganz erwacht und ganz Mensch
- Teil: Die Wahrheit des Erwachens im Alltag leben
Im Rahmen dieses Beitrages konnte ich nur einige längere Passagen aus Kapiteln des 1. und 2. Teils des Buches auswählen, die vermitteln, was dieses Erwachen im alltäglichen Leben bedeutet.
Da manche Passagen etwas abstrakt wirken können, werde ich – wo es sinnvoll erscheint – mit kurzen Kommentare ergänzen, erkennbar in kursiver Schrift.
Auszüge
Einleitung
„Dieses Buch liefert dir keine weiteren Informationen, die deinen ohnehin schon beschäftigten Geist füllen. Es bietet dir auch keine neue Methode oder spirituelle Praxis, die du deiner Sammlung hinzufügen könntest. Und es verspricht gewiss keine sofortige Erleuchtung.Stattdessen lädt es dich ein, in Betracht zu ziehen, dass in diesem Augenblick etwas unwiderruflich Neues in dir geboren werden kann. Dieses „Neue“ wird zur Erfüllung des wahren Sinns deines Lebens – und das hat weitreichende Folgen, nicht nur für dich als Individuum, sondern auch für die Menschheit.“
„Die Einladung dieses Buches besteht darin, mit dir gemeinsam die Geburt von etwas Neuem zu vollziehen – einen Schritt auf deine göttliche Bestimmung zu tun, indem du bereit bist, sich auf diesen evolutionären Prozess voll einzulassen, damit dein Erwachen geschehen kann. Es führt zugleich zum Prozess des Erwachens der Menschheit.“
„Bist du bereit, Ja zu sagen?“
„Das Erwachen führt uns an den äußersten Rand dessen, was wir zu sein glauben, und stellt all unsere gewohnten Reaktionen auf das Leben infrage. Es ist viel leichter, sich von diesem Rand abzuwenden und in der Komfortzone unserer eigenen Begrenzung zu bleiben. Doch die Einladung besteht darin, nicht länger davonzulaufen, sondern innezuhalten, sich umzudrehen und diesem Rand mit einem unverfälschten Ja zu begegnen.“
„Es geht darum, bereit zu sein, sich der tiefsten Wahrheit dessen zu öffnen, wer du wirklich bist – ein radikal erwachtes Leben zu führen … selbst wenn dies das Ende des „Ichs“ bedeutet, das du zu sein glaubst, und das Ende der „Welt“, wie du sie bisher wahrgenommen hast. Trotz aller unbekannten und unvorhersehbaren Herausforderungen: Bist du bereit, Ja zu sagen? Bist du bereit, die Möglichkeit vollständig anzunehmen, dass dies die aufregendste Zeit ist, um lebendig zu sein? Und dass dein Erwachen der eigentliche Sinn deines Lebens ist?
Wenn deine Antwort tatsächlich ein kraftvolles, eindeutiges Ja ist, dann wird dieses Buch dich darin unterstützen, wahre Freiheit zu erkennen und ein Leben zu erfüllen, das in der unendlichen Offenheit dieses Ja verwurzelt ist.“
Die Autorin macht sehr deutlich, dass diesen Bewusstseinswechsel nur diejenigen vollziehen können, die ihn wirklich ernsthaft wollen. Die größte Herausforderung besteht darin, sich von der Identifikation mit dem bisherigen Selbstbild zu lösen – von dem, was man zu sein glaubte. Das Ego braucht diese Identifikation, denn ohne sie kann es nicht bestehen.
Teil1
Ein neues Bewusstsein und eine neue Welt
Über das Ego hinaus wachsen
„Beim Menschen hat das Geschenk der Selbstwahrnehmung uns Zugang zu einer inneren Dimension eröffnet, in der wir uns nicht nur als durch die physische Form definiert erleben (den Körper), sondern auch als durch psychologische Formen bestimmt: Gedanken, Empfindungen, Gefühle, Zeitwahrnehmung, Emotionen und Erinnerungen. Diese Identifikation mit sowohl körperlichen als auch psychologischen Formen ist das, was wir als Ego bezeichnen: Der Körper wird zu „meinem Körper“, Gedanken werden zu „meinen Gedanken“, Gefühle zu „meinen Gefühlen“ und so weiter.
Da alle Formen in der Dualität entstehen, ist „mein Körper“ entweder ein schöner Körper oder ein hässlicher Körper, „meine Gedanken“ sind entweder positive oder negative Gedanken, „meine Gefühle“ entweder angenehm oder schmerzhaft. Wir eignen uns diese Formen nicht nur an, sondern verwechseln sie auch mit dem, was wir sind. Sie werden Teil des „Ich“. Dieses „Ich“ ist das, worauf wir uns beziehen, wenn wir sagen: „Ich bin schön“, „Ich bin hässlich“, „Ich bin glücklich“ oder „Ich bin traurig“. So verlieren wir uns in unserer persönlichen Geschichte. Und genau diese Geschichte ist die Quelle unseres Getrenntseins.
Es gibt jedoch eine noch tiefere innere Dimension jenseits aller Formen – eine, die man die spirituelle Dimension der Formlosigkeit nennen könnte, in der wir uns der Wahrnehmung selbst bewusst werden können. Dort gibt es eine Stille und einen Frieden, die Quelle von innerem Frieden sind. Sie ist auch die Quelle höherer menschlicher Qualitäten wie Mitgefühl, Güte, Vergebung, Dankbarkeit und Großzügigkeit. Doch selbst diese nach dem Erwachen erscheinenden Ausdrucksformen des Lebens werden oft vom Ego vereinnahmt. Überzeugungen wie „Ich bin mitfühlend“, „Ich bin gütig“, „Ich bin vergebend“, „Ich bin dankbar“ oder „Ich bin großzügig“ können leicht zu weiteren Schichten unserer Geschichte werden.“
„Weil wir so viel in unsere Geschichte investieren, leitet sich unser ganzes Selbstgefühl aus ihr ab. Die Aufrechterhaltung dieser Geschichte wird zu etwas, das wir um jeden Preis verteidigen müssen. Und so beginnt der Krieg – sowohl in uns als auch außerhalb von uns.“
Hier wird das innere Bild beschrieben, mit dem wir uns vollständig identifizieren: unsere persönliche Geschichte und all das, was in unserem Bewusstseinsfeld auftaucht. Wir halten uns für die Objekte der Wahrnehmung und haben darüber vergessen, dass wir in Wahrheit das Subjekt sind – jenes Gewahrsein, ohne das kein einziges dieser Objekte erscheinen könnte.
Die Geburt des Erwachens
„Der Prozess der Loslösung von unserer Geschichte und die Erkenntnis, dass es einen Grund des Seins gibt, der unter und jenseits aller Formen liegt, ist die Geburt des Erwachens. Doch für die Mehrheit der Menschen hat diese Erkenntnis noch nicht stattgefunden … und das Ego mit seinem Gefühl eines getrennten Selbst ist der zentrale Antriebsmotor für alle inneren und äußeren Aktivitäten.“
„Ohne ein Bewusstsein dafür, wer wir wirklich sind, steuert die Menschheit auf Zerstörung zu.
Die zunehmende körperliche, emotionale und mentale Dysfunktion, die wir in der Gesellschaft beobachten, die wachsende Gier und Korruption in den seit langem etablierten Institutionen und Unternehmen sowie die Intensivierung religiöser und politischer Konflikte …“
In diesem Abschnitt werden die Folgen des kollektiven Ego-Bewusstseins aufgezeigt. Zugleich wird deutlich, wie notwendig ein Bewusstseinswandel im kollektiven Bewusstsein der Menschheit geworden ist, um ihre eigene Zerstörung noch abzuwenden. Das Ego-Bewusstsein erzeugt Strukturen von Trennung, Angst und Konkurrenz, die sich im Großen wie im Kleinen manifestieren – in gesellschaftlichen Konflikten, ökologischen Krisen und in der zunehmenden Entfremdung des Menschen von sich selbst und der Natur.
Die Welt ist, wie wir sie sehen
„Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern so, wie wir glauben, dass sie ist. Wenn wir zum ersten Mal in diese Welt kommen, liegt eine Frische in unserer Erfahrung. Jedes Gefühl, jede Empfindung, jede Bewegung von Energie ist neu. Ohne Worte, Konzepte oder Erinnerungen begegnen wir diesem unerforschten Terrain mit völliger Offenheit. Wir sehen die Dinge, wie sie wirklich sind. Alles erscheint uns gleichwertig. Die Einteilung in gut und schlecht, richtig und falsch hat noch nicht begonnen.“
„Mit der Zeit jedoch wird die ursprüngliche, klare Linse des unschuldigen Sehens unvermeidlich getrübt. Wir lernen, dass manche Dinge körperlich oder emotional schmerzen, und der uralte Überlebensmechanismus setzt ein. Wir nennen das, was schmerzt, „nicht Liebe“ und wenden uns ab, um das Bild von Liebe, das wir erschaffen haben, anderswo zu suchen. Wir fühlen uns ängstlich, allein, verletzlich, unvollständig – und suchen Sicherheit und Geborgenheit außerhalb von uns selbst. Wir vergessen, dass wir selbst diese Liebe sind und dass wir bereits ganz sind.“
„Wir erschaffen eine ausgeklügelte Theorie darüber, wer wir zu sein glauben, basierend auf einer falschen Identität. Wir vergessen, dass das Leben ein Ausdruck dieser Liebe ist, dass es immer vollkommen ist, so wie es ist. Stattdessen malen wir ein Bild des Lebens, das auf einer fehlerhaften Wahrnehmung beruht.“
„Deine Vorlieben und Abneigungen, Hoffnungen und Ängste werden durch die einzigartige Geschichte deiner Inkarnation geformt. Deine Geschichte umfasst die Geschichten deiner Eltern und Familienmitglieder, die Geschichte deiner Bildung, deiner sozialen Schicht und Religion, die planetarischen Konstellationen zum Zeitpunkt deiner Geburt und die historische Epoche, in die du hineingeboren wurdest. All diese Geschichten weben ein Geflecht von Überzeugungen, das die Welt färbt, die wir sehen – und dennoch behaupten wir, das sei die Realität. Dies ist die Unvermeidlichkeit persönlicher und kultureller Konditionierung.
Die Projektion dieser „Realität“ auf die Welt ist der Traum, in dem die meisten Menschen leben. Ob dieser Traum ein Albtraum oder ein Märchen ist, liegt an dir. Ob er eine Geschichte von Glück oder Traurigkeit, Erfolg oder Scheitern, Sinn oder Sinnlosigkeit, Segen oder Strafe ist, hängt von dir ab.“
Hier wird deutlich gemacht, dass wir in unserer wahren Natur bereits erleuchtet sind. Die Schleier, die unser Umfeld über unser wahres Sein gelegt hat, lassen uns selbst und die Welt wie in einem Traum erleben. Wir betrachten diesen Traum als Realität.
Die Opferrolle
„Für die große Mehrheit der Menschen dreht sich diese Geschichte um das Gefühl, ein Opfer zu sein: die Überzeugung, dass jemand oder etwas für das eigene Leiden verantwortlich ist. Alle persönlichen Strategien von Angriff und Verteidigung entspringen der Unwissenheit darüber, wer wir wirklich sind.
Die meisten Menschen erheben sich nicht in die Würde ihrer wahren Natur. Stattdessen sind wir einem Glauben erlegen, der uns voneinander trennt, vom Leben trennt und vom einen Sein trennt, das die gesamte Existenz belebt. Es ist daher kein Wunder, dass unsere kollektive Realität ein Spiegelbild von Millionen Geschichten über Mangel, Begrenzung, Kampf und Suche ist.
Die Gier, der Wettbewerb, die Grausamkeit und die Konflikte, die wir in der Welt sehen, sind direkte Folgen unseres Bewusstseinszustands. Unsere Handlungen entspringen unserer inneren Realität – und unsere Handlungen erschaffen unsere äußere Realität.
Was immer in dir unbeleuchtet, unvollständig oder unerledigt ist, ist auch das, was in der Welt unbeleuchtet, unvollständig und unerledigt ist. Was immer in dir toxisch, verschmutzt oder verdorben ist, ist auch das, was in der Welt toxisch, verschmutzt und verdorben ist.“
Dieser Text macht deutlich, welche Folgen diese Unwissenheit – oder Ignoranz – für unser persönliches Leben und für das Leben der gesamten Menschheit hat. Die Haltung des „Opfers der Umstände“ entsteht genau aus dieser Unwissenheit: Wir erleben uns als getrennte, isolierte Wesen, ausgeliefert den Kräften der Welt und den Bewegungen in unserem Ego-Bewusstseins.
Damit verlieren wir den Kontakt zu der Würde und Weite unserer wahren Natur. Erst wenn wir uns dieser Opferrolle bewusst werden, kann das Leiden überwunden werden und ein Bewusstsein entstehen, das aus innerer Freiheit und Verbundenheit lebt.
Himmel und Hölle
„Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass Himmel und Hölle reale Orte seien, an die wir nach dem Tod gelangen – je nachdem, wie gut oder schlecht wir waren. Doch Himmel und Hölle sind hier, in dir. Hölle ist das, was geschieht, wenn du dich in der Identifikation mit körperlicher und psychologischer Form verlierst und Gedanken und Gefühle zu deinem Besitz erklärst. Wenn du deine Geschichte für die Wahrheit hältst – selbst wenn es eine schöne Geschichte mit glücklichem Ende ist –, ist es dennoch Hölle. Es ist Hölle, weil alles, was vom Ego festgehalten werden kann, dem Tod geweiht ist: jede Form, jede Idee, jede Vorstellung, jede Hoffnung. Solange du nicht die Leuchtkraft dessen erkennst, was bleibt, wenn alles stirbt, bleibst du im Traum gefangen.
Himmel ist das, was geschieht, wenn du aus diesem Traum erwachst. Es ist die Erkenntnis, dass die Welt keine Bedeutung hat außer der Bedeutung, die du ihr gibst. Das heißt nicht, dass du in einer bedeutungslosen Welt lebst – der Glaube an eine „bedeutungslose Welt“ bleibt, wenn er nicht untersucht wird, lediglich ein Gedanke des Verstandes.“
„Die Einsicht, dass deine Überzeugungen über die Welt nicht die Wahrheit sind, sondern konditionierte mentale und emotionale Reaktionen, die aus der Vergangenheit stammen und in die Zukunft projiziert werden, ist der Beginn klaren Sehens.
Wenn diese Einsicht zum ersten Mal auftaucht, besteht die Tendenz, sich von diesen Gedanken und Gefühlen abzuwenden. Paradoxerweise liegt die echte Möglichkeit der Befreiung darin, sich ihnen zuzuwenden. Dieses Zuwenden – ausgeführt mit einer gütigen Offenheit – ist eine aufrichtige Erforschung dessen, was wirklich hier ist. Es ist ein Laserstrahl des Gewahrseins, der das Band des Leidens durchtrennt.“
„Schmerz, ob körperlich oder emotional, wird als das erfahren, was er ist – nicht als Geschichte über Schmerz. Wenn wir den Gedanken nicht folgen, die sich um die Erfahrung des Schmerzes legen, oder den Schmerz als „erträglich“, „unerträglich“ oder „lebenszerstörend“ etikettieren, kann das, was wir Schmerz nennen, vollständig erfahren werden – ohne das Gepäck der Vergangenheit und ohne Agenda für die Zukunft.“
Wir stehen vor einer ständigen Wahl: Entweder leben wir weiter in einem Traum, oder wir erkennen, dass die Welt nur die Bedeutung hat, die wir ihr zuschreiben. Genau darin liegt der Kern unserer Freiheit – in der Macht zu entscheiden, ob wir im Himmel oder in der Hölle leben.
Die Nacktheit der absoluten Wirklichkeit
„Dieses Öffnen für die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks, ausgeführt mit der bewussten Hingabe eines Wellenreiters, führt dich in die Nacktheit der absoluten Wirklichkeit. Es ist eine vertikale Erforschung – eine Bewegung des Bewusstseins weg vom linearen Denken –, die die Wahrheit offenbart, dass alle Gedanken, Gefühle und Empfindungen vorübergehend sind. So sehr du dich bemühst, du kannst sie nicht festhalten, nicht kontrollieren, nicht stoppen.“
„Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist erfüllt von Hunderten, wenn nicht Tausenden Gedanken, Gefühlen und Empfindungen. Wenn du innehältst und deine Aufmerksamkeit sanft in den gegenwärtigen Moment bringst, kannst du bemerken, dass jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Empfindung aufsteigt und wieder vergeht – wie eine Welle im Ozean. Wenn du innerlich sehr still und leise bist, kannst du den Raum zwischen den Wellen wahrnehmen.
Erwachen ist die Entdeckung dessen, was immer noch hier ist und unverändert bleibt, selbst wenn Gedanken und Gefühle sich verändern.“
Das Paradox der Wirklichkeit
„Die Wirklichkeit verlangt von uns, die Dinge aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen – einer Perspektive, die das verrückte Paradox des Lebens einschließt. Und genau diese allumfassende Sichtweise tritt heute als die fortschrittlichste Form spiritueller Erforschung hervor. Da immer mehr Menschen ihre Aufmerksamkeit auf spirituelles Bewusstsein richten, um Frieden und Freiheit in einer zunehmend verrückten Welt zu finden, tauchen neue Fragen auf.“
„Spirituelle Suchende möchten heute wissen, wie Erwachen mitten im Alltag gelebt wird. Was geschieht mit unserer Persönlichkeit, wenn wir uns über das Ego hinaus entwickelt haben? Und was geschieht mit der Welt, wenn wir frei von Leiden sind?“
„Viele von uns haben eine transzendente Sichtweise von Spiritualität geerbt, in der eine Spaltung zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen besteht. Diese trennende Perspektive ist tief in traditionellen religiösen und spirituellen Lehren verankert, in denen die Abkehr von der Welt als Voraussetzung gilt, um „göttlicher“ zu werden. Sie findet sich ebenso in neueren NewAgeLehren, in denen das Ziel darin besteht, in eine „bessere Welt“ aufzusteigen.
All dies ist ein Ausdruck der Vorherrschaft des egoistischen Verstandes und seines grundlegenden Mechanismus der Trennung.“
Teil2
Ganz erwacht und ganz Mensch
Die Innere Revolution
„Während immer mehr Menschen von „Erwachenserlebnissen“ berichten, entsteht häufig Verwirrung darüber, was es wirklich bedeutet, vollkommen wach und zugleich vollkommen menschlich zu sein. Vieles von dem, was als spirituelle Weisheit weitergegeben wird – selbst in heutigen spirituellen Kreisen – stammt aus überholten Perspektiven, die der Ganzheit einer modernen, psychologisch hochentwickelten Psyche nicht mehr gerecht werden.“
„In einer spirituellen Kultur, in der man von einem Lehrer zum nächsten springt und in der das Internet einen riesigen Schmelztiegel unterschiedlichster Lehren bietet, entsteht leicht eine Mythenbildung darüber, wie Erwachen erlebt und gelebt wird.
Wenn Erwachen mehr sein soll als ein Zustand, der kommt und geht – wenn es eine fortwährende Realität werden soll, die einen spürbaren Einfluss auf deine alltägliche Welt hat –, dann muss ein präziserer, durchdringenderer Pfeil der inneren Erforschung deinen Geist und dein Herz erreichen, damit sich die Wahrheit tief in deinem Innersten verankern kann.“
„Damit spirituelle Befreiung vollständig durch jeden Aspekt deiner Menschlichkeit verwirklicht werden kann – und damit sie einem neuen Du und einer neuen Welt Geburt schenken kann –, muss das Erwachen im Kern deines Seins Wurzeln schlagen. Eine vollständige innere Revolution des Bewusstseins ist notwendig, bevor wirkliche Veränderung – innerlich wie äußerlich – möglich wird.
Dafür braucht es eine unerschütterliche Hingabe an die Entdeckung deiner innersten Wahrheit. Es ist eine Hinwendung nach innen, die nicht verlangt, dass du die Welt verlässt oder dich auf einem Berggipfel zurückziehst. Aber sie verlangt, dass du das Bedürfnis aufgibst, irgendetwas in der Welt der Formen zu kontrollieren, zu besitzen oder zu verehren – sei es eine materielle Auszeichnung, ein liebgewonnener Glaubenssatz oder die Hoffnung auf Erlösung.“
Die Heilung der Ursprünglichen Wunde
„Persönliche Entwicklung beginnt in dem Moment, in dem der Wunsch, frei zu werden von der Tyrannei des Egos, größer wird als das Bedürfnis nach psychologischer Sicherheit. Das ist kein leichter Schritt, denn das egoistische Bedürfnis nach Sicherheit hält uns fest im Griff.
„Wahre Transformation ist nichts, das man einfach beschließen oder herbeiführen kann, weil man glaubt, dadurch ein besserer Mensch zu werden oder spiritueller und damit immun gegen Schmerz. Sie ist vielmehr ein Wendepunkt, der aus unserem innersten Sein aufsteigt, wenn das Leiden schlicht zu groß wird, um es weiter zu ertragen.
Wenn ich von Leiden spreche, meine ich psychologisches Leiden – nicht den körperlichen Schmerz, den der Körper bei Verletzung oder Krankheit erfährt, und auch nicht die Grausamkeiten und Tragödien, die das Leiden der Welt ausmachen. Es ist die unvermeidliche mentale und emotionale Geschichte des Leidens, die sich um die nackte Erfahrung von körperlichem Schmerz oder menschlicher Tragödie legt.
Psychologisches Leiden entsteht, wenn du dir irgendeine Geschichte des Mangels erzählst. Vielleicht tritt eine Krankheit, ein Unfall oder eine Behinderung ungebeten in dein Leben, und du erzählst dir, dass du nicht stark genug bist. Vielleicht zerbricht deine Beziehung oder deine Eltern geben dir nicht die Liebe, die du brauchst, und du erzählst dir, dass du nicht liebenswert genug bist. Vielleicht erreichst du den materiellen oder sozialen Erfolg nicht, von dem du träumst, und du erzählst dir, dass du nicht besonders genug bist. Vielleicht zerschmettert das Leben deine Hoffnungen und bringt dich zu Boden, und du erzählst dir, dass du nicht würdig genug bist.“
„Im Kern jeder dieser Geschichten des Mangels liegt ein Gefühl der Unvollständigkeit – der Glaube, dass du vom Ganzen und Guten des Lebens getrennt bist. Dieser Glaube kann so tief vergraben sein, dass du vielleicht gar nicht bemerkst, wie er deine Wahrnehmung und Erfahrung des Lebens bestimmt.“
Machen wir uns bewusst, dass unser wahres Leiden rein psychologischer Natur ist. Es entspringt unseren eigenen Gedanken und den Geschichten, die wir ihnen entnehmen. Die Essenz der Befreiung liegt darin, diese Gedanken achtsam zu beobachten, anstatt sich mit ihnen zu identifizieren.
Die Wahrheit sagen
„Je spiritueller du glaubst zu sein, desto schonungsloser ehrlich musst du werden. Das schließt die Geschichte deines Lebens ein – all die rohen Gefühle und die turbulenten oder verwirrenden Emotionen, die darin enthalten sind. Manche spirituelle Sucher neigen dazu, ihre Geschichte zu verleugnen. Doch so sehr es Wahnsinn ist, sich für seine Geschichte zu halten, so unsinnig ist es, sie zu leugnen.
Deine Geschichte ist ein unvermeidlicher Teil deiner heutigen Lebenserfahrung, ein Teil deines KörperGeistOrganismus und seiner Ausdrucksweise. Die Bereitschaft, persönliche Wahrheit im Dienst der absoluten Wahrheit zu umarmen, ist ein notwendiger Bestandteil der authentischen Verkörperung erwachten Bewusstseins.
Das bedeutet nicht, dass du dich selbst oder deine Familie beschuldigen solltest. Es bedeutet auch nicht, dem Leben oder Gott die Schuld für das zu geben, was schmerzt. Aber es bedeutet, das, was schmerzt, vollständig anzuerkennen und ihm zu begegnen.“
„Leider widerstehen viele Menschen, die einen Blick auf die Unbedingtheit reiner Bewusstheit erhascht haben, weiterhin diesem Begegnungsort – als würde die Unordnung persönlicher Wahrheit die makellose Klarheit absoluter Wahrheit beschmutzen. Und doch kann die leuchtende Wahrheit des Erwachens nicht vollständig in das menschliche Leben integriert werden, wenn die Schichten persönlicher Wahrheit nicht in all ihrem Schrecken und all ihrer Qual willkommen geheißen werden.“
„Irgendwann wird die Bereitschaft, nicht länger vor dem zu fliehen, was schmerzt, und sich dem zu stellen, was im Leben erscheint, zur höchsten Priorität. Vielleicht ist dieser Moment für dich bereits gekommen, und das Lesen dieser Worte stärkt einfach deine Hingabe an diesen Weg. Oder – falls diese Hingabe noch nicht ganz da ist – vielleicht weiß etwas in dir, dass sie unausweichlich ist.“
„Die Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen, ist wie ein Geschoss, das alles aufspürt, was sich in den Schatten versteckt hat; doch anders als ein Geschoss zerstört es nicht. Es tut etwas weitaus Mächtigeres: Es verwandelt.
Die ernsthafte Suche nach Wahrheit – eine Suche, die alles auf ihrem Weg einschließt und nichts in ihrem Kielwasser zurücklässt – entzündet ein Feuer, das alles nach Hause ruft, zurück in seine wahre Natur. Nur im grellen Schein der strahlenden Bewusstheit können die Schichten des Schmerzes gereinigt werden. Und in diesem Feuer der Wahrheit erhalten sie die Möglichkeit, in ihren ursprünglichen Zustand zurückzukehren: als Liebe – unschuldig und frei.“
Der Fall in den Abgrund des Seins
„Nach innen zu gehen ist oft beängstigend, denn es bringt die Urangst vor dem Tod hervor. Es führt dich direkt an den Rand des Abgrunds, der unter dem Gerüst liegt. Das Gerüst ist alles, was dir vertraut ist – deine Überzeugungen, deine gewohnten Arten, das Leben zu sehen und zu erleben, und all die Gedanken und Emotionen, die ein Gefühl von Identität erzeugen. Der Abgrund hingegen ist das, was du unmöglich kennen kannst, weil es für den egoistischen Geist völlig unerkennbar ist.
Indem du anerkennst, dass dein Geist die Wahrheit darüber, wer du bist, nicht wirklich kennt, kann sich offenbaren, wer du bist.“
„In spirituellen Kreisen steht die Frage „Wer bin ich?“ im Zentrum der Erforschung der wahren Natur des Selbst. Doch diese Erforschung wird oft vom Ego gekapert, um der Angst vor dem Tod auszuweichen. Dann liefert das Ego Definitionen darüber, wer du bist: „Ich bin Einheit“, „Ich bin göttlich“, „Ich bin alles“ oder sogar „Ich bin nichts.“ Aber wer du wirklich bist, ist nicht eine weitere, spirituellere, perfektere oder göttlichere Form des Gerüsts. Wer du wirklich bist, hat keine Definition: Es ist eine unbeschreibliche, unaussprechliche Tiefe des Seins.“
„Der wahre Zweck der Frage „Wer bin ich?“ besteht darin, als Hinweis zu dienen, in die Unbekanntheit dieses grenzenlosen Augenblicks einzutauchen. Es ist eine Frage ohne Antwort, ein Koan, ein Wegweiser an den Rand des Denkens, wo du eingeladen bist, einen Sprung zu wagen.
Hier hast du eine Wahl: entweder zurückzulaufen in die relative Sicherheit der Geschichte des „Ich“ oder dich in das Unbekannte hineinfallen zu lassen.“
„Wenn du loslässt, öffnest du dich der Möglichkeit einer vollständigen Auslöschung des Gerüsts, das all deine Vorstellungen und Konzepte darüber verteidigt, wer du glaubst zu sein. Es ist ein freier Fall in den Abgrund des Seins, der den Geist buchstäblich zum Stillstand bringt.
In diesem momentanen Stillstand vollzieht sich eine Verschiebung des Bewusstseins in eine tiefere Dimension des Seins – ein Heimkommen zu deiner wahren Natur.
Dieser Mangel an Mut, alles das loszulassen, was wir glauben zu sein, das anerzogene Bild von uns unsere Lebensgeschichte, ist der Grund, das wir uns weigern zu erkennen, dass wir uns mit den Objekten identifizieren, die wir wahrnehmen und das Subjekt, was wir wirklich sind, die reine Wahrnehmung zu verdrängen. Man kann es vergleichen mit einem Sprung in den Abgrund, ohne zu wissen, wo wir landen.“
Das Festhalten an der vertrauten Lebensgeschichte und dem konditionierten Selbstbild gleicht einer psychologischen Sicherheitszone. Wenn wir uns mit den Objekten unserer Wahrnehmung – unseren Gedanken, Körpern, Rollen und der persönlichen Historie – identifizieren, schrumpfen wir das unendliche Potenzial der reinen Wahrnehmung auf eine begrenzte Form zusammen.
Heimkehren in die wahre Einheit
„Heimzukommen in die wahre Einheit ist eine unbekannte Dimension des Seins; eine Dimension, die so grenzenlos offen ist, dass darin kein Selbst gefunden werden kann. Es ist ein Sterben, kein Gewinn.“
„Die Einladung, endlich das zu entdecken, wonach du dein ganzes Leben gesucht hast, erfordert die Bereitschaft, über den Rand des Denkens hinauszufallen und in die unbekannte Weite der Grenzenlosigkeit einzutauchen. Es ist ein momentanes „Sterben in die Leere“, ein vertikaler Tiefensturz.
Auf diesem Weg ist es sehr wahrscheinlich, dass dir jede energetische Kontraktion begegnet, die das Gerüst der Selbstidentität aufrechterhält. Wenn diese Kontraktionen vollständig angenommen werden, werden sie befreit. Wenn sie im klaren Licht der Bewusstheit willkommen geheißen werden, stirbt jede Erscheinung, jedes Gefühl, jeder Gedanke und jede Empfindung in die Nichtsheit hinein. Sie kehren zur Quelle zurück.“
„Es ist die ungreifbare Offenheit dieses sich ewig entfaltenden Augenblicks, die wir zugleich fürchten und ersehnen. Wir fürchten sie, weil sie unvorstellbar ist; weil sie für den Geist unerkennbar bleibt. Wir sehnen uns nach ihr, weil wir tief im Herzen wissen, dass sie untrennbar mit unserem innersten Sein verbunden ist.“
„Der Versuch, sich sicher zu fühlen, indem man an einem Selbst festhält, das aus Gedanken, Ideen und Glaubenssätzen zusammengesetzt ist, ist eine völlige Illusion. Tatsächlich gibt es keinerlei „Gewusstes“. Jeder Moment ist unbekannt, während er sich vor dir entfaltet. Jeder Moment ist frisch und trägt das Potenzial sowohl für Unbehagen als auch für Staunen. Jeder Moment wird neu geboren, entspringt dem unbedingten Feld des Absoluten und drückt sich durch die Relativität der phänomenalen Erfahrung aus. Kein Moment kann jemals wiederholt werden.
Der Versuch, sich sicher zu fühlen, um jegliches mögliche Unbehagen zu vermeiden, ist ein ‘Betäubtsein‘, das dich nur von deiner Lebendigkeit und der Lebendigkeit aller Formen trennt. Nicht der Inhalt des Moments erzeugt den Widerstand und das Unbehagen, sondern der Versuch, ihn zu vermeiden.“
„Wenn du erkennst, dass nichts bekannt ist und alles unbekannt, dann kann in dieser Erkenntnis ein tiefer Trost entstehen. Und was tot, flach und stagnierend schien, wird lebendig, tief und vibrierend.
Die Einladung liegt genau hier, in diesem Augenblick: innezuhalten und zu erkennen, dass du bereits zu Hause bist. In diesem Innehalten, in diesem Moment, kann wahres Leben beginnen.“
Dieser Text spricht für sich selbst. Er bedarf keines Kommentars
Das Ende der Suche
„Sobald Erwachtheit erkannt wurde, ist es leicht, in Selbstzufriedenheit und Trägheit zurückzufallen. Man könnte denken: Wenn das Licht einmal eingeschaltet ist, gibt es nichts mehr zu tun. Doch authentisches Erwachen ist radikal. Es ist nichts, was man zweimal täglich für zwanzig Minuten „macht“ und dann von der TodoListe streicht – es ist ein 24StundenamTag, 365TageimJahrDienst, der uns zu schonungsloser Ehrlichkeit ruft.“
„Du begegnest dem Leben entweder bewusst, oder du verlierst dich im Traum. Es gibt keinen Mittelweg. Du kannst nicht halb bewusst sein. Du kannst dem Leben nicht nur dann bewusst begegnen, wenn es sich gut anfühlt oder wenn die Dinge nach deinem Willen laufen, um dann in die Geschichte zurückzufallen, wenn alles schiefgeht oder schmerzt.
Was du tun kannst, ist dir bewusst zu werden, was in dir noch unbewusst ist. Diese Entschlossenheit zur Wachsamkeit ist der Dünger für das tiefere Erwachen, das notwendig ist, wenn wirkliche Transformation in deiner inneren und äußeren Welt stattfinden soll.“
„Ganz gleich, ob du einen erwachten Zustand nur vorübergehend erblickt hast und er wieder verschwunden ist, ob das Licht des Erwachens sich als Hintergrund deines Lebens offenbart hat, oder ob du Erwachen noch nicht erlebt hast, aber etwas dich unaufhaltsam dorthin zieht – sehr wahrscheinlich wird etwas in diesen Worten die Flamme der Wahrheit nähren, bis sie zu einem Ofen radikaler Erwachtheit in dir wird.“
Wenn dieser Ofen alle falschen Vorstellungen darüber, wie ein erwachtes Leben aussehen sollte, verzehrt hat, endet die unablässige Suche nach etwas anderem als diesem sich ewig entfaltenden Moment. Und was bleibt, ist ein unendlicher Fluss der Gnade – unaussprechlich göttlich und zugleich vollkommen gewöhnlich.
Die Entdeckung, die es dir erlaubt, endlich in diesem Fluss der Gnade zu ruhen, verlangt nicht, dass deine Vergangenheit von dem geheilt wird, was zerbrochen war, oder dass deine Zukunft wunderbarer sein muss als das, was jetzt geschieht. Die Erkenntnis, dass Erwachtheit die innewohnende Natur aller Dinge ist – einschließlich deiner selbst –, beendet die endlose Suche nach einem besseren Selbst oder einem besseren Leben. Es ist das Ende der Suche und der Beginn der Möglichkeit wahrer Heilung.
Diese Möglichkeit entsteht, wenn die bewusste Bereitschaft da ist, sich der Gesamtheit deiner selbst zu öffnen. Diese Bereitschaft ist ein AllesoderNichtsUnterfangen. Für wahre Heilung kannst du dich nicht nur den Teilen öffnen, die du magst, und den Rest umgehen. Du musst das Ganze umarmen – das Licht und die Dunkelheit, das Erleuchtete und das Unerleuchtete, das Himmlische und das Höllische.
Dies ist eine Art Verantwortung, in der das „erwachte Ich“ sich selbst in den Dienst der Erwachtheit stellt. Es geht nicht darum, einen Zustand der Perfektion zu erreichen. Es geht darum, das Licht der Erwachtheit in das alltägliche Leben einzuladen.“
„Wenn Erwachen verkörpert ist, gibt es ein beständiges Erkennen, dass nichts das Sein berühren, beflecken oder verletzen kann, deren lebendiger Ausdruck du bist. Während die Wellen deiner Geschichte weiterhin durch deine KörperGeistErfahrung hallen und wenn Unbehagen, Irritation, Wut oder irgendetwas anderes auftaucht, wirst du nicht an der Idee festhalten, dass du mehr Heilung oder Therapie brauchst, um diese scheinbar unerleuchtete Energie loszuwerden. Stattdessen ruhst du in der Wahrheit deiner unverfälschten Natur und begegnest der Energie mit zarter Neugier.“
„Es ist die Fähigkeit, vollständig mit dem zu sein, was ist, die Heilung oder Ganzheit hervorbringt. In dieser tiefen Annahme erkennst du, dass Licht die Natur der Dunkelheit ist.“
„Erwachtheit leugnet nicht die Vergangenheit, die Geschichte deines Lebens, die Erinnerungen, die Enttäuschungen, die Herzbrüche, die Bedauern und sogar das, was als Erfahrungen aus früheren Leben erscheint. All dies kann in der Bewusstheit des gegenwärtigen Augenblicks gehalten werden, sodass Vergangenheit und Zukunft als Erscheinungen im Jetzt erkannt werden – einem sich ewig entfaltenden, zeitlosen Moment.
Deine Verwundung ist in Wahrheit nicht das, was dir in der Vergangenheit widerfahren ist, sondern deine Unfähigkeit, im Angesicht dessen präsent und offen zu bleiben. In der Bewusstheit des gegenwärtigen Augenblicks kannst du dem Schmerz dieser Trennung begegnen. Und darin geschieht eine Wiederverbindung und eine Heilung.“
„Es ist eine Tatsache, dass das Leben dich immer berühren, anstoßen, schneiden und sogar auf irgendeine Weise zeichnen wird. Doch wer du wirklich bist, bleibt durch all das unberührt und unversehrt.“
„Dich diesem Paradox der menschlichen Existenz zu öffnen bedeutet, weiter zu werden als das, was du glaubst zu sein. In dieser Weite lebst du aus dem Raum und der Stille in dir. Wenn du siehst, dass alles, was in deiner inneren und äußeren Welt geschieht, tatsächlich innerhalb dieses Raumes und dieser Stille erscheint, dann gibt es nichts mehr zu tun, um zu erwachen – nichts mehr zu erreichen oder zu erlangen. Die Suche nach Erleuchtung ist beendet.“
Du bist entweder im gegenwärtigen Moment ganz wach – oder du fällst zurück in den Traum des Egos. Bewusstheit kennt keinen Zwischenzustand. Wahres Erwachen entsteht, wenn du entschlossen bereit bist, alles Unbewusste in dir zu erkennen. Diese radikale Wachsamkeit ist der Nährboden für echte innere und äußere Transformation. Das führt zum Ende der Suche.
Als Stille leben
„Wir denken meist, dass Stille das Gegenteil von Lärm sei — etwas, das wir finden können, wenn wir uns aus dem Alltag zurückziehen, oder etwas, das wir erschaffen können, indem wir das Telefon ausschalten, ein paar Kerzen anzünden und uns auf die Couch legen. Doch Stille ist kein Objekt und keine Ware. Sie kann weder gefunden noch erschaffen werden im horizontalen Raum des egoistischen Bewusstseins.“
Stille ist immer gegenwärtig in allem.
„Sie existiert vor jeder Form. Sie ist der grundlose Grund des Seins. Du musst nirgendwo hingehen und nichts tun, um sie zu finden, denn sie ist tatsächlich das, was du bist. Stille ist die Natur deines innersten Wesens, und wenn du aus dem Traum der falschen Identität erwachst, entdeckst du, dass auch du untrennbar mit dieser Stille verbunden bist.“
Stille ist das, was hier ist, wenn du aufhörst, deine Aufmerksamkeit der Bewegung des Geistes zu schenken und Gedanken zu folgen wie: „Ich muss Zeit für Stille finden“, „Ich muss von all dem Trubel wegkommen, um Frieden zu finden“ oder „Wenn ich doch nur die Gedanken in meinem Kopf stoppen könnte.“ Wenn du die illusionäre Natur dieser Art von Denken erkennst und die Sinnlosigkeit des Weglaufens oder Hinterherlaufens, kommst du vollständig zum Stillstand — und was sich in diesem Stillstand offenbart, ist die immer gegenwärtige Stille des reinen Seins.
Dieser vollständige Stillstand ist keine frontale Kollision mit etwas Hartem und Begrenztem. Er ist vielmehr offen: Stille hat keine Grenze, keinen Ankerpunkt, kein Zentrum, keinen Ort und keinen Bezugspunkt dafür, wo sie beginnt oder endet. Du findest dich in einer neuen Dimension des Sehens wieder, in der Gewahrsein als die einzige Tatsache der Realität erkannt wird.
Wenn dieses Gewahrsein in sich selbst zurückfällt und in sich selbst verwurzelt wird, offenbart sich eine unbegrenzte, bedingungslose Stille im Kern von allem, was erfahren wird — sei es das Flüstern des Windes oder der Donner eines Megatonnen-Lasters auf der Autobahn.“
Die meisten Menschen, im unbeleuchteten Zustand des Bewusstseins, sind so sehr mit den Gedanken in ihrem Kopf identifiziert, dass sie die Stille in sich überhaupt nicht wahrnehmen. Sie glauben fälschlicherweise, dass alles ruhig sein müsse, damit Stille gehört werden kann. Doch Stille ist inklusiv: der Vogelruf am Fenster, das Lied im Radio, das Weinen des Babys, das Plätschern der Wellen am Ufer, das durchdringende Kreischen eines Motorradmotors — all diese Klänge entstehen aus der Stille und kehren in sie zurück.
Das Erkennen der Stille
Um diese Stille zu erkennen, braucht es die Bereitschaft, alle Etiketten und Konzepte darüber, wer du glaubst zu sein, loszulassen — ebenso wie alle Etiketten und Konzepte darüber, wie du das Leben siehst. Mit anderen Worten: Du musst aufhören, dich an die Gedanken in deinem Kopf zu klammern, als wären sie ein Rettungsfloß, und dich in das Unbekannte hineinfallen lassen.
Die meisten Menschen jedoch sind nicht bereit, sich der Angst vor dem Tod zu stellen — sowohl dem psychologischen Tod als auch dem physischen Tod — und deshalb fürchten sie tatsächlich die Stille. Um Stille zu hören, musst du mit der Leere des Seins lauschen. Das erfordert, dass du dich der tieferen, ungreifbaren Dimension in dir und in der Welt öffnest.
Natürlich macht dich diese Offenheit verletzlich, denn sie löst die geistig erschaffene Grenze zwischen „mir“ und „dir“ und zwischen „mir“ und „der Welt“ auf. Die Tendenz ist, sich davon zurückzuziehen, doch die Einladung der Stille besteht darin, über den Rand dieser Grenze hinauszufallen. Du musst bereit sein, in das zu ertrinken, was von deiner Angst unberührt ist, und dich vollständig der Freiheit des Unbekannten hinzugeben.
Anfangs ist dieses Unbekannte etwas, in das du deinen Zeh tauchen kannst, doch irgendwann auf der Reise der inneren Transformation wirst du gerufen, ganz hineinzuspringen. Du kannst nicht teilweise frei sein; Freiheit ist total.
Im vollen Licht des Erwachens wird Stille zum Lied deines Lebens.
Sie ist der konstante Hintergrund für die Szenen, die sich darauf abspielen. Stilles Gewahrsein ist die primäre Erfahrung, aus der alles — Gedanke, Gefühl, Empfindung, Bild, Objekt — als sekundäre Erfahrung entsteht.
Wenn es keinen Versuch gibt, diese sekundäre Manifestation zu verändern, zu manipulieren, zu überdecken oder den Regler hoch- oder herunterzudrehen, entsteht wahlfreies Gewahrsein. Dies ist ein vollständiges Zulassen von allem im Feld des Gewahrseins. Nichts wird ausgeschlossen, und doch wird alles als ständig wandelnd und daher vergänglich erkannt. Leere ist voll, und Fülle ist leer.
Wenn Stille sich vollständig als der Grund des Seins offenbart und wenn du dich dieser inneren Dimension des Seins ganz öffnest, dann macht die Geschäftigkeit des Lebens keinen Unterschied im ursprünglichen Zustand der Dinge. Ob du still sitzt ohne Geräusch in der Nähe oder mitten in einem geschäftigen Marktplatz stehst — wer du wirklich bist, bleibt von all dem unberührt.
Sowohl Handlung als auch Nicht-Handlung werden als eine Erweiterung der Stille erfahren.
Nun lebst du in Stille, aus Stille … und als Stille.“
Da das Erfahren von Stille eine Voraussetzung für das Erwachen ist, habe ich das gesamte Kapitel ungekürzt ausgewählt. Der Text spricht für sich und bedarf keines weiteren Kommentars.
Mein Fazit:
Warum fällt es den meisten Menschen so schwer, sich für diesen Bewusstseinswandel zu öffnen – obwohl es doch eigentlich klar ist, dass wir nicht die wahrgenommenen Objekte sein können, sondern nur das Subjekt, das sie erfährt?
Die Antwort liegt in zwei tief verwurzelten Hürden:
Die Angst vor dem Unbekannten:
Der Schritt hin zum wahren Sein erfordert Mut. Unser Verstand, der ganz auf Kontrolle und Überleben ausgerichtet ist, verwechselt die notwendige Auflösung des Egos mit dem Tod. Wer jedoch den vermeintlichen „Sprung in den Abgrund“ wagt, erfährt die Wahrheit: Das Subjekt stirbt nicht, sondern erkennt, dass es schon immer der grenzenlose Raum war, in dem alles geschieht. Diese unbewusste Angst vor dem Unvertrauten hält das kollektive Bewusstsein in der Illusion des Ego-Bewusstseins gefangen.
Der Lärm des Geistes und die Flucht vor der Stille:
Viele Menschen haben den inneren Kontakt zur Stille verloren und sind dem permanenten Gedankenkarussell ausgeliefert. Versuchen sie dann, in die Stille zu gehen, wird das innere Geschwätz oft erst recht unerträglich – woraufhin viele die Flucht in digitale und äußere Ablenkungen antreten. Aussagen wie „Meditation ist nichts für mich“ sind meist die Folge. Dabei ist Meditation der Königsweg: Sie beginnt schlicht damit, den Gedankenfluss anzunehmen, ihn zu beobachten und durch Geduld sowie regelmäßige Praxis zu zähmen.
Wer daher ernsthaft dazu bereit ist, Verantwortung für den eigenen Bewusstseinswandel – und damit auch für den des Kollektivs – zu übernehmen, muss diese beiden Hürden überwinden. Er muss den mutigen Schritt durch die Angst vor dem Unbekannten wagen und lernen, dem ständigen Lärm im Kopf mit geduldiger Präsenz zu begegnen.
Das Buch:
(Leider ist dieses Buch nur in englischer Sprache verfügbar.)
Embodied Enlightenment – Living your Awakening every moment)
New Sarum Press – ISBN-13 978-1739724924
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Für diejenigen, die Englisch verstehen – sehr empfehlenswert: