Der Unendliche WegJoel S. Goldsmith

Joel S. Goldsmith (1892 – 1964)

war eine der faszinierendsten spirituellen Gestalten des 20. Jahrhunderts – ein moderner Mystiker und spiritueller Lehrer, der ohne institutionelle Bindung eine weltweite Bewegung inspirierte. Bekannt wurde er durch „Der unendliche Weg“ – eine nicht-institutionelle spirituelle Lehre und Praxis. Das Buch mit dem gleichen Titel erschien 1948. Er lehnte jede Organisation, Mitgliedschaft oder Dogmatik ab. Seine Lehre sollte frei fließen, getragen vom Bewusstsein derjenigen, die sie praktizieren.

Auszüge

Vorwort des Verfassers

„Es gibt einen Weg, auf dem wir uns von Sünde, Krankheit und Armut und den Folgen von Kriegen und Wirtschaftskrisen befreien können. Er besteht darin, dass wir gegen die materielle Lebensauffassung die Einsicht und das Bewusstsein eintauschen, dass das Leben geistiger Natur ist. Im Lauf der Jahrhunderte hat die materielle Auffassung vom Menschen und von der Welt zur Entwicklung der Angst um die eigene Person und die nationale Existenz geführt. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen und sogar verstärken, da immer mehr materielle Kräfte der Zerstörung entdeckt werden. Die Notwendigkeit, die materielle Lebensauffassung aufzugeben, um das spirituelle Bewusstsein vom Leben und von seinen wirkenden Kräften zu erlangen, ist das Geheimnis der Seher, Propheten und Heiligen aller Jahrhunderte.“

„Was kann man tun, um dieses spirituelle Bewusstsein zu erlangen und dadurch die materielle Einstellung zu verlieren?“ Die Antwort lautet: „Lies und studiere die zu allen Zeiten offenbarten Wahrheiten über das allumfassende Bewusstsein, die Seele oder den göttlichen Geist und über die spirituelle Schöpfung und ihre Gesetze. Nimm die geistige Bedeutung dieser Offenbarungen in dich auf.“

„In diesem kleinen Band habe ich die spirituelle Wahrheit beschrieben, so wie ich sie durch über dreißig Jahre langes Forschen in den großen Religionen und philosophischen Lehren aller Zeiten erfahren und in den letzten fünfzehn Jahren auf Probleme des menschlichen Lebens–Probleme der Gesundheit, des Berufs, des Familienlebens und der Sicherheit praktisch angewandt habe. Du kannst sicher sein, dass du mit der Hinwendung zum spirituellen Lebensbewusstsein inneren Frieden findest und dass sich dann auch äußere Ruhe in deinen täglichen Angelegenheiten einstellen wird. Die Außenwelt wird sich dem inneren Gewahrwerden der Wahrheit angleichen. Der Gewährsmann für all diese Offenbarung wirst du selbst sein–da du es bist, der diese innere und äußere Wandlung an sich erfährt.“

Unsterblichkeit erlangen

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort … Und das Wort ward Fleisch.“ „Das Wort ward Fleisch“–doch ist es immer noch das Wort. Dadurch, dass es Fleisch wurde, änderte es nicht seine Beschaffenheit, seine Natur oder Substanz. Die Ursache wird als Wirkung sichtbar, doch das Wesen oder die Substanz ist noch immer das Wort, der göttliche Geist oder das Bewusstsein.“

„Auf diese Weise begreifen wir, dass es nicht ein spirituelles Universum und eine materielle Welt gibt, sondern dass vielmehr das, was als unsere Welt erscheint, das Fleisch gewordene Wort oder der sichtbar gewordene Geist ist oder das Bewusstsein, das als Idee zum Ausdruck kommt.“

„Spirituelle Gesinnung entfremdet uns nicht unserer normalen Umgebung, noch beraubt sie uns der für ein erfülltes Leben so notwendigen Liebe und Freundschaft. Sie erhebt jedoch alles auf eine höhere Ebene, wo es nicht mehr dem Zufall, dem Wechsel oder Verlust ausgeliefert ist und wo der spirituelle Wert der sogenannten menschlichen Umstände offenbar wird.“

„Das spirituelle Heilen ist die natürliche Folge eines göttlich erleuchteten Bewusstseins. Jedoch wird uns nur in dem Maß eine spirituelle Erleuchtung zuteil, als wir dafür empfänglich und ansprechbar sind. Wir missverstehen die Unsterblichkeit, wenn wir sie als die Unsterblichkeit der menschlichen Persönlichkeit oder des persönlichen Ichgefühls auffassen. Der Tod gewährt keine Unsterblichkeit, noch setzt er dem Ichgefühl ein Ende, wie auch die Fortdauer menschlicher Existenz nicht das Erlangen der Unsterblichkeit bedeutet. Unsterblichkeit wird in dem Maß erschlossen, wie wir das persönliche Ichgefühl überwinden, in diesem Leben oder danach. Indem wir das persönliche Ego ablegen und das Bewusstsein unseres wahren Selbst–unsere Wirklichkeit, göttliches Bewusstsein–erlangen, gewinnen wir Unsterblichkeit. Das kann hier und jetzt geschehen.“

„Das Bewusstsein entfaltet sich von innen nach außen von einem unbegrenzten Quellgrund aus, von der Unendlichkeit deines Seins zur individuellen Gewahrwerdung in unendlicher Mannigfaltigkeit, Form und Darstellung. Der Tod ist die Vorstellung, dass das Bewusstsein die Wahrnehmung des Körpers verliere; Unsterblichkeit ist das Begreifen der Wahrheit, dass das Bewusstsein sich seiner eigenen Wesenseinheit, seines Körpers und seiner Form oder Darstellung ewig bewusst ist. Ein Bewusstsein, das seines eigenen unendlichen Seins und seines ewigen Körpers gewahr ist, bedeutet Unsterblichkeit, wie sie hier und jetzt verwirklicht wird. Die Gewahrwerdung des Bewusstseins, das seine eigene Identität und Form aufrechterhält, ist ewiges Leben. Die Wahrnehmung des Bewusstseins, das sich für immer in individuellen Formen der Schöpfung oder Manifestation entfaltet, ist Unsterblichkeit, die hier und jetzt verwirklicht ist. Dieses Bewusstsein bist du.“

„Der erste Schritt zur Unsterblichkeit ist das Leben aus der Mitte unseres eigenen Seins heraus, mehr im Sinn einer Entfaltung von innen her als eines Wachsens. Es ist mehr ein Geben als ein Empfangen, mehr ein Sein als ein Erlangen. Dieses Bewusstsein kennt kein Verurteilen oder Richten, kein Hassen oder Fürchten, sondern vielmehr ein unablässiges Gefühl der Liebe und Vergebung. Selbstsucht und Eigenliebe fallen von uns ab, wenn wir die Göttlichkeit unseres Wesens erkennen. Diese Erkenntnis lässt uns Geduld und Nachsicht üben mit jenen, die noch mit vergänglich-materiellem Bewusstsein zu kämpfen haben. Sie bedeutet, dass wir zwar in der Welt, jedoch nicht von ihr sind.“

Spirituelle Erleuchtung

„Spirituelle Erleuchtung wird uns bis zu einem gewissen Grad zuteil, wenn wir beginnen, die Wahrheit zu erforschen. Wir glauben, das Gute oder die Wahrheit zu suchen, während es das Licht ist, das in unserem Bewusstsein aufzuleuchten beginnt und uns nötigt, die Schritte zu tun, die wir seitdem unternehmen. Jeder Zuwachs an spiritueller Einsicht ließ mehr Licht hervorbrechen und die Dunkelheit der Sinne vertreiben. Dieser Zustrom der Erhellung wird sich fortsetzen, bis wir zur vollen Erkenntnis unserer wahren Identität als „das Licht der Welt“ gelangt sind.“

„Im Besitz des inwendigen, göttlichen Lichts gewinnt der Mensch Freiheit von der Welt und Sicherheit vor allen irdischen und menschlichen Gefahren. Unsere Zeit erfüllt viele mit Furcht und Schrecken. Die spirituell Erleuchteten aber werden erkennen, dass sie in der Seele, im Gottesbewusstsein verankert sind, in spirituellem Frieden, in Sicherheit und Freude, weil nichts von Wert dort erscheinen oder vergehen kann, weil spirituelles Wirken seinem Wesen nach immer Erfüllung bedeutet und die Erleuchtung ihnen die wahre Wirklichkeit der Dinge offenbart hat.“

„Immer gab es Menschen, welche die göttliche Botschaft von der Gegenwart Gottes und der Unwirklichkeit des Bösen brachten: Buddha in Indien, Laotse in China, Jesus von Nazareth. Sie und viele andere brachten den Menschen das Licht der Wahrheit, und immer haben die Menschen dieses Licht für den Boten gehalten, weil sie nicht erkannten, dass das, was sie als einen Menschen „da draußen“ erblickten, das Licht der Wahrheit im eigenen Bewusstsein war.“

„Durch die Anbetung von Jesus verloren sie Christus. Durch ihre Hingabe an Jesus konnten sie Christus nicht begreifen. Indem sie ihr Heil von Jesus erwarteten, fanden sie den allgegenwärtigen Christus in ihrem eigenen Bewusstsein nicht.
Immer aber bedeutet der Bote, der zum Menschen kommt, die Ankunft von Christus im individuellen Bewusstsein; und wenn dies so aufgefasst wird, wird damit die Befreiung von Ichgefühl und persönlicher Beschränkung erreicht.“

„Das erleuchtete Bewusstsein vertreibt das Egogefühl mit seinen Problemen und Nöten, seinem Altern und Versagen. Es enthüllt das wahre Selbst, das Ich, das Ich Bin, unbegrenzt, ungefesselt, unbekümmert, harmonisch und frei. Dieses Selbstsein wird offenbart, wenn wir uns jeden Tag in uns selbst zurückziehen und dort „lauschen“ und beobachten lernen. Ebenso lassen wir, statt uns ängstlich um die Arbeit des Tages oder die Ereignisse der Zukunft zu sorgen, die Seele oder unseren göttlichen Geist uns vorausgehen, um uns den Weg zu ebnen und zu bereiten; und diesen göttlichen Einfluss lassen wir uns auch den Rücken decken, damit jeder Schritt vor Sinnestäuschungen bewahrt werde.“

„Die spirituelle Erleuchtung offenbart, dass wir nicht sterblich sind – ja nicht einmal menschliche Wesen–, sondern reines spirituelles Sein, göttliches Bewusstsein, sich selbst erhaltendes Leben, allumfassender Geist. Dieses Licht zerstört die Illusionen der Ichbefangenheit.“

„Zu wissen, dass wir die Erfüllung Gottes, dass wir jene Stelle im Bewusstsein sind, durch die Gott hindurch scheint, heißt spirituell gesinnt sein. Zu erkennen, dass jedes Einzelwesen die Gegenwart Gottes ist, dass alles, was existiert, Gott ist, wie Er in Erscheinung tritt, heißt spirituelles Bewusstsein. Zu begreifen, dass das, was wir durch die fünf Sinne sehen, hören, schmecken, fühlen oder riechen, nur die begrenzte Vorstellung der Wirklichkeit ist und keiner Weise mit dem spirituell Wirklichen in Beziehung steht, bedeutet geistige Einstellung.“

„Das Christusbewusstsein sieht das Göttliche überall durch den Nebel der Ichbezogenheit hindurch scheinen. Wenn wir unser Herz von den Irrtümern des Ego–Eigenliebe, Begierden, Ehrgeiz und Habsucht befreien, werden wir das Licht der Wahrheit widerspiegeln, so wie der vollkommene Diamant sein eigenes inneres Licht zurückwirft.“

„Die spirituelle Erleuchtung ermöglicht es uns, im eigenen Bemühen nachzulassen und mehr und mehr auf das Göttliche zu vertrauen, dessen Entfaltung und Offenbarung wir sind.“

Christus

„Das persönliche Ichgefühl ist eifrig darauf bedacht zu erlangen, zu gewinnen, zu begehren, zu schaffen, zu sammeln, während unser wahres Selbst sich gebend, schenkend, austeilend und segnend verhält. Das persönliche Ichgefühl ist die Verkörperung alles menschlichen Erlebens, von dem das meiste begrenzt und unerfreulich ist. Das wirkliche Selbst ist die Verkörperung unerschöpflicher spiritueller Ideen und Wirksamkeiten; es verleiht sich selbst fortwährend Ausdruck, grenzenlos und ohne Schranken.“

„In der Meditation oder in der Gemeinschaft mit Gott werden wir empfänglich für die Wahrheit, die sich in uns entfaltet–wir nennen das Gebet. Unser Gebet sollte nicht mit einem so genannten Patienten verknüpft werden. Denn in Wirklichkeit ist das Gebet kein Ablauf, keine Zusammenstellung von Worten oder Gedanken, von Feststellungen, Erklärungen, Bejahungen oder Verneinungen. Das Gebet ist ein Bewusstseinszustand, in dem wir die Verwirklichung von Harmonie und Vollkommenheit erleben, von Einheit und Freude, Frieden und Unabhängigkeit. Oftmals vermittelt das Gebet oder die innere Gemeinschaft dem Menschen eine bestimmte Wahrheit und diese Wahrheit ist die äußere Frucht des eigenen Bewusstwerdens wahren Seins.“

„Unzählige Male hat sich gezeigt, dass Begabung, Fähigkeit, Bildung und Erleben eines jeden Menschen in Wirklichkeit das Bewusstsein ist, welches sich auf verschiedene Weise entfaltet – als bildender Künstler, Musiker, Verkäufer, Geschäftsmann oder Schauspieler. Und daraus folgt, dass es dem Bewusstsein, das sich auf diese Weise Ausdruck verleiht, niemals an Gelegenheit, Anerkennung und Einlass fehlt. So kann es keine unerkannten Begabungen geben, keine brachliegenden Talente oder Fähigkeiten, keine unbelohnte Mühe, da alles Streben und Handeln Bewusstsein ist, das seine unerschöpflichen Möglichkeiten und Fähigkeiten zum Vorschein bringt.“

„Kürzlich schrieb ich einem Freund zum Geburtstag, und ich weiß, dass es ihm recht ist, wenn ich die Gedanken, die mir beim Schreiben kamen, hier mitteile: „Was die Geburtstagswünsche betrifft, so will ich dir nur wünschen, dass du überhaupt keine Geburtstage haben mögest, damit du dich an die Idee der ununterbrochenen Fortdauer bewusster Existenz, die nie aufhört, gewöhnen könntest – an ein bewusstes Wahrnehmen fortschreitender Entfaltung.“

„Wenn wir innere Stille gewinnen, werden wir immer empfänglicher für die Wahrheit, die sich uns in uns kundtut. Das Wirken dieser Wahrheit in unserem Bewusstsein ist Christus, die unmittelbare Gegenwart Gottes. Die in unserem Bewusstsein empfangene und ständig aufrechterhaltene Wahrheit wird zum Gesetz der Harmonie für alles, was wir unternehmen. Sie beherrscht, lenkt und leitet, sie führt und unterstützt jede einzelne unserer Angelegenheiten des täglichen Lebens.“

„Höher noch als die Ebene des Körpers und menschlichen Geistes liegt der Bereich der Seele, das Reich Gottes. Hier finden wir die Wirklichkeit unseres Seins, unser göttliches Wesen – nicht dass Körper und Geist des Menschen von der Seele getrennt oder geschieden sind, doch ist die Seele unser tiefster Seinsgrund. Im Reich der Seele finden wir vollkommenes Gleichgewicht, absoluten Frieden, Harmonie, Führung. Hier gibt es weder Gut noch Böse, weder Schmerz noch Vergnügen–sondern allein die Freude des Seins. Wir der Welt, jedoch nicht von ihr, denn wir sehen die Sinnenwelt nun nicht mehr so, wie sie zu sein scheint, sondern nachdem wir unseren Sinn für das Göttliche erweckt haben, sehen wir „ihn, wie er ist“ (1. Joh. 3,2) – wir sehen durch die Erscheinungen hindurch die Wirklichkeit.“

„Ein Meister des 16. Jahrhunderts schreibt: „Christus (Jesus) nennt sich selbst das Licht der Welt, aber er sagt ebenso seinen Jüngern, dass auch sie das Licht der

Welt seien. Alle Christen, in denen der heilige Geist lebendig ist–d.h. alle wahren Christen–, sind eins mit Christus in Gott und sind Christus (Jesus) gleich. Sie werden daher ähnliche Erfahrungen haben, und was Christus (Jesus) tat, werden auch sie tun.“

„Unsere Aufgabe besteht darin, den Christus unseres Bewusstseins zu erkennen. Wir erkennen voller Freude und in großer Liebe, in welchem Maß der Christus nicht nur von Jesus, sondern von vielen Sehern und Propheten aller Zeiten verwirklicht wurde. Unser Herz ist angefüllt mit Dankbarkeit dafür, dass auch in vielen Menschen unserer Tage Christus offenbar wird. Jetzt erwarten wir die Verwirklichung von Christus in unserem eigenen Bewusstsein. „Das Reich Gottes ist inwendig in euch, und wer es draußen sucht, wird es nicht finden, denn abseits von Gott kann niemand Gott suchen oder finden; denn wer Gott sucht, besitzt Ihn in Wahrheit schon.“

„Wir müssen das Wort „Bewusstsein“ verstehen, denn wir können nur das erfassen, was uns bewusst ist. Wo stehen wir in unserem Bewusstsein? Gehören wir noch zu den Sterblichen? Oder haben wir uns von unserem materiellen Selbst losgesagt und uns als Christus und Erfüllung, als Gegenwart Gottes erkannt?“

„Das Leben, welches Gott ist, ist unser Leben. Es gibt nur ein einziges Leben und das ist das Leben alles Seienden, eines jeden Einzelwesens.

Wir stellen dieses ewige Leben als Individuen dar und in einem Wesen ist es nicht weniger Gott als im anderen, und zwar ist es in allen frei von Krankheit und Tod. Unser Bewusstsein dieser Wahrheit ist der heilende Faktor in uns.“

„Es gibt nur ein einziges Bewusstsein, Gott. Wir stellen dieses allmächtige, allwissende Bewusstsein als Einzelwesen dar; daher ist unser Bewusstsein die ewig gegenwärtige Hilfe in jeder Lage. Aus diesem Grund beten wir nicht zu einem weit entfernten Wesen oder setzen uns mit ihm in Verbindung, sondern erkennen die Allgegenwart des göttlichen Bewusstseins als unser Bewusstsein und lassen das scheinbare Problem fallen. Die Wahrnehmung dieser Wahrheit verankert uns im Bewusstsein der Gegenwart des Lebens, der Wahrheit, Gottes. Das Begreifen der Einheit des Bewusstseins als unser Bewusstsein, des Lebens als unser Leben ist ewige Wahrheit.“

Unsere wahre Existenz

„Immer mehr müssen wir zum Zuschauer und Zeugen werden. Wir müssen das Leben und seine Harmonien beobachten und betrachten. Jeden Morgen sollten wir mit Eifer erwachen, ganz darauf bedacht, den neuen Tag zu sehen, wie er sich entfaltet und mit jeder Stunde neue Freuden und Siege enthüllt. Mehrmals am Tag sollten wir bewusst erkennen, dass wir Zeuge der Offenbarung ewigen Lebens sind, Zeuge der Entfaltung des Bewusstseins und seiner unerschöpflichen Äußerungen, des Wirkens des göttlichen Geistes und seiner großartigen Gestaltungen. In jeder Situation des täglichen Lebens wollen wir lernen, hinter uns zurückzutreten und Gott

bei der Arbeit zu beobachten, Zeuge zu sein vom Spiel der Liebe in unseren Angelegenheiten und davon, wie sich Gott in all jenen offenbart, die uns umgeben.“

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, ist die Grundlage zur Errichtung eines neuen, höheren Bewusstseins. Wesentlich dabei ist, dass wir bereit und imstande sind, von der irdischen Vorstellung von Personen und Dingen abzusehen und Mensch und Welt zu erkennen, wie sie von Gott erschaffen wurden.“

„Wer sein inneres Selbst gefunden hat, erkennt, dass er eins ist mit allen Menschen, Lebewesen und Dingen. Er weiß dann, dass das, was einen berührt, auf alle einwirkt. Diese allgemein gültige Wahrheit ist in allen heiligen Schriften zu finden.“

„Indem wir unsere Einheit, unser Einssein mit der ganzen Schöpfung erkennen, werden wir liebevoller, freundlicher, geduldiger und verständnisvoller. Dann erst erfüllen wir das große Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“

Die Seele

„Die Seele ist ein Teil des Menschen, von dem man wenig weiß und der nur selten erkannt wird. Oft durchbrechen die von einem schweren Kummer Betroffenen den Nebel der materiellen Einstellung und erreichen die innersten Tiefen ihres Wesens. Hier finden sie die Seele oder die Wirklichkeit des Seins. Sie werden sich ihrer Seele bewusst, entdecken neue Werte, neue Mittel, neue und ungewohnte Kraft und ein völlig anderes Dasein.“

„Aber noch tiefer verborgen als dies, wenn auch noch in Reichweite unseres Bewusstseins, ruht die Seele mit ihren Fähigkeiten. Wenn wir diese Seelenkräfte berühren, strömen sie aus unserem Innern hervor, durchdringen alle Bereiche unseres täglichen Lebens und verleihen jedem Augenblick unseres Daseins Inspiration, Schönheit, Frieden, Freude und Harmonie und schmücken jedes Ereignis in unserem Leben mit Liebe, Verstehen und Erfolg.“

„Eine stärkere Kraft als die des menschlichen Körpers oder der Gedanken muss berührt werden, um uns das Glück, die Harmonie und den Frieden zu gewähren, die unser Geburtsrecht sind. Diese Kraft steht jedem zu Gebote, denn sie ist schon ein Teil unseres Seins–sie bildet in der Tat den größten Teil unseres Wesens.“

„Die Kräfte der Seele sind realer und fassbarer als irgendwelche materiellen Kräfte der Natur oder Erforschung. Sie sind auf einer höheren Bewusstseinsebene wirksam, treten aber in den sogenannten menschlichen Angelegenheiten zutage. Die Kräfte der Seele wirken auf den menschlichen Körper und erzeugen und erhalten dessen Gesundheit und Harmonie. Sie durchdringen den ganzen Bezirk des täglichen Lebens, wo sie sich als Schutz und als Quelle unerschöpflichen Reichtums auswirken.“

„Die sich ihrer Seele bewussten Menschen dieser Welt führen innerlich ein Leben des Friedens, der Freude und Beherrschung und äußerlich ein Leben vollständiger Harmonie mit sich selbst und allen Menschen, Lebewesen und Dingen. Sie befinden sich mit den Kräften ihrer Seele in Übereinstimmung, was ihr Einssein mit aller Schöpfung ausmacht.“

„Wir nehmen die Gegenwart der Seele erst wahr, wenn wir uns von selbstsüchtigen Gedanken befreit haben, und in dem Maß, wie wir den Interessen der Menschheit zu dienen wünschen, machen wir uns diese unendliche Kraft in uns zu eigen.“

Die metaphysiche Heilung

„Es gibt nur eine Antwort auf die Frage ‚Was ist Gott?‘ und diese Antwort lautet:

Ich Bin‘. Gott ist Geist und Leben des einzelnen Menschen. Jede intellektuelle Verschanzung und jeder innere Vorbehalt enden schließlich im Misserfolg. Es gibt nur ein Universelles Ich, ob es nun von Jesus Christus oder Hans Schmidt ausgesprochen wird. Als Jesus sagte: ‚Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat‘, offenbarte er eine Wahrheit oder ein Prinzip universeller Art.“

„Die Offenbarung Jesu Christi ist klar: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.‘ Wer das nicht als Lebensprinzip und damit als die Wahrheit über sich selbst und jeden Menschen annehmen kann, hat keinen festen Boden unter seinen Füßen. Die Wahrheit ist, dass Gott der Geist und das Leben des Individuums ist. Gott ist das einzige Ich.“

„So weit verstehen wir nun, dass Ich Gott bin, dass Gott Geist und Leben des Menschen ist, dass der Körper als Idee Gottes existiert. Gott oder Ich bin ist universal, unendlich, allmächtig und allgegenwärtig. Daher ist auch die Idee Körper gleichermaßen unzerstörbar, unvergänglich und ewig. Sie wurde nie geboren und wird auch niemals sterben. Nie werde ich ohne bewusste Wahrnehmung meines Körpers sein und deshalb nie ohne meinen Körper.“

„Jedes Individuum ist Ich Bin, Leben, Wahrheit und Liebe und sein Körper existiert als vollkommene spirituelle, ewige, harmonische Idee, allein den Gesetzen der Urprinzips, der Seele und des göttlichen Geistes unterworfen. und es ist unser Vorrecht, unsere Pflicht und Verantwortung, diese Wahrheit zu erkennen. Und die Wahrheit macht jeden frei, der sich an uns wendet. Als individuelles, unendliches, spirituelles Bewusstsein verkörpere ich mein Universum…“

„Wenn wir begreifen. Ich Bin individuelles, unendliches spirituelles Bewusstsein, das jede wahre Idee verkörpert und harmonisch beherrscht, so bringt dieses Begreifen Gesundheit, Harmonie, Heim, Beschäftigung, Anerkennung, Frieden, Freude, Unabhängigkeit hervor. Die Einsicht, dass dies für jeden einzelnen Menschen gilt, vertreibt die Illusion von Hass, Widerstand und Feindseligkeiten und macht uns zu einem Heiler oder Lehrer, auch wenn wir diese Arbeit nicht beruflich ausüben.“

„Nun gilt es, unsere althergebrachten religiösen Anschauungen ins Auge zu fassen und sie aufzugeben. Wurde Jesus von Gott in die Welt gesandt, um sie von Sünde, Krankheit und Sklaverei zu erlösen? Nein. Gott, das unendliche Prinzip, das Leben, Wahrheit und die Liebe, kennt keinen Irrtum, kein Übel und keine Sünde und auch keinen Sünder. Jesus schaute diese Wahrheit so klar, dass diese Erkenntnis zum Erlöser, zum Heiler und Lehrer wurde, so wie es in uns geschehen wird. Das Wirken der Wahrheit im individuellen Bewusstsein allein ist Christus.“

„Wir legen uns selber Fesseln an, wenn wir glauben, es gäbe eine Macht außerhalb von uns – eine Macht des Guten und des Bösen. Alle Macht ist uns gegeben. Und diese Macht ist immer gut aufgrund ihres Ursprungs aus der Unendlichkeit, die sie speist.“

„Es wird uns nun klar, dass das Bewusstsein Gottes das Bewusstsein des einzelnen Menschen ist. Es ist die Allmacht und Allgegenwart, die uns nicht verlassen noch aufgeben wird und die uns näher ist als der Atem. Wir brauchen nicht zu ihr zu beten, sie um etwas bitten oder irgendwo ihr Wohlwollen zu erlangen suchen. Allein diese Einsicht führt uns zur vollständigen Erkenntnis dieser Wahrheit.“

„Wenn wir in die Stille eintreten, in den Tempel unseres Seins, um Antwort auf eine wichtige Frage zu finden oder die Lösung für ein dringendes Anliegen, dann ist es besser, wir formulieren keine Idee, keinen festen Plan und lassen unseren Wunsch nicht Vater des Gedanken sein. Vielmehr sollten wir unsere Gedanken so weit wie möglich beruhigen und eine lauschende Haltung einnehmen.“

Weisheiten des „Unendlichen Weges“

„ Erkenne Gott als Substanz, Gesetz, Ursache und Wirksamkeit von allem, was existiert, und unterlasse es zugleich, dich physisch oder psychisch in die Dinge der Außenwelt einzumischen. Wende dich zurück nach innen und löse dort alle Erscheinungen auf.“

„Wenn wir aus der Mitte unseres Seins leben, bleiben wir von Gedanken, Ansichten und Theorien der Welt unberührt. Nichts wirkt auf uns ein, da wir auf die Welt der Erscheinungsformen nicht reagieren.“

„Spirituell leben heißt wissen, dass alles ist. Darum benenne, bezeichne und bestimme oder urteile nicht, was ist. Begnüge dich, Ist zu wissen, und lass das, was Ist, dir sein Wesen, sein Sein und seine Eigenart offenbaren.“

„Gehe zu Gott als ein leeres Gefäß mit dem Wunsch der Erfüllung auf Gottes Art und Weise.“

„Gott ist nicht Macht. Wenn man den Mittelpunkt des Bewusstseins erreicht, entdeckt man eine vollkommene Ruhe – einen tiefen Brunnen der Stille. Er ist nicht Macht, da es dort nichts gibt, dem gegenüber er sich als mächtig erweisen könnte: Er Ist.

„Jedes Talent, jede Fertigkeit, Fähigkeit und Begabung des menschlichen Geistes ist in Wirklichkeit die sichtbar und fassbar gewordene Seele.“

„Die Seele ist Substanz, Wesen, Wirken und Gesetz jeder Form und niemals getrennt von der Form.“

„Die Kreuzigung des Selbst (Egos) ist erreicht, wenn es nichts mehr gibt, um das man beten möchte.“

„Spirituelle Wahrheit gilt nicht für das Menschliche, sondern für den Geist Gottes und Seine Welt. Das Menschliche ist ein Zustand des Hypnotisiertseins, und nur wenn diese Illusion zerbricht, ist unser Leben ‚in Gott‘.“

„Das Leben jenseits des Grabes hat keine Beziehung zur Unsterblichkeit. Das Leben jenseits des Grabes ist nur das Überleben der Persönlichkeit. Die Persönlichkeit stirbt, – sie muss sterben, entweder diesseits oder jenseits des Grabes -, damit die Unsterblichkeit erfahren werden kann. Das unsterbliche Selbst ist ewig, gegenwärtig, auch wenn es mit einer Persönlichkeit bekleidet ist. Offenbar und lebendig wird es indessen nur in dem Maß, wie die Persönlichkeit oder menschliche Selbst (Ego) verschwinden.“

„Der Glaube an einen ‚unbekannten Gott‘ bringt nur die Harmonie des blinden Glaubens. Gott muss durch die Seele erkannt und erfahren werden.“

Die Essenz:

  • Alles ist Ausdruck eines einzigen göttlichen Bewusstseins.
  • Unsterblichkeit, Heilung und Frieden entstehen, wenn das falsche Ich (Ego) schweigt und das wahre Selbst – das göttliche Bewusstsein in uns – erkannt wird.
  • Meditation, Stille und innere Hingabe öffnen den Zugang zu dieser Wirklichkeit, in der kein Getrenntsein, kein Mangel und kein Leiden existieren.
  • Christus ist kein äußeres Wesen, sondern das Licht, das im eigenen Bewusstsein aufleuchtet.
  • Wer aus dieser inneren Quelle lebt, erfährt Harmonie, Freiheit und Einheit mit allem Sein.

Das Buch:

Der Unendliche Weg – Joel S. Goldsmith
Heinrich Schwab Verlag – ISBN978-3-7964-0241-8

Buchvorstellungen mit gleichem Thema:

Joel S. Goldsmith auf YouTube

The Joe Goldsmith Way

Website


https://joelgoldsmith.com/

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